AKTUELLE EVENTS
>Fr 06. Nov 2015

Ansehen

Ausstellung der KÜV zum Thema 'Ansehen'. Vernissage ab 18 Uhr in der Hessischen Schraubenfabrik, Stephan-Niederehe-Strasse 6, Marburg
>Sa 28. Nov 2015
Kunst-Versteigerung der KÜV mit Hans Gottlob Rühle. Beginn 17 Uhr in der Hessischen Schraubenfabrik, Stephan-Niederehe-Strasse 6, Marburg


>Mo 27. Jan 2014

Die innere Sicht>

Ausstellung der KÜV im DIZ in Stadt Allendorf. Vernissage ab 18 Uhr


>Fr 11. Okt 2013

"Kunst verbindet, Schrauben auch !">

Ausstellung der KÜV zum Thema 'Arbeit'. Vernissage ab 19 Uhr in der Hessischen Schraubenfabrik, Stephan-Niederehe-Strasse 6, Marburg


BILDER
VIDEO


KÜV auf der Piazza Maggiore in Bologna
MAILING LISTE
Wenn Sie über die Aktivitäten der KÜV informiert werden möchten, dann schreiben Sie sich doch in unsere Mailinglist ein

Ihr Name:


Ihre eMail-Adresse:


Passwort- / Spam-Protektion:
Bitte eingeben arsvitae

FREUNDE UND FÖRDERER

Kunst braucht Freunde - und Förderer.

Werden Sie Fördermitglied oder spenden Sie der Künstlervereinigung Marburg-Biedenkopf,
damit wir auch in Zukunft unser künstlerisch Arbeit für Sie und uns weiterführen können.
VB Mittelhessen BLZ 513 900 00 Konto Nr. 186 103 02

   

Aktuell




ansehen

Ausstellungsprojekt:
Zeitgenössische Kunst aus Marburg-Biedenkopf in der Hessischen Schraubenfabrik.

Im November-06.bis 28.2015 findet die Ausstellung - ansehen - mit zeitgenössischer Kunst der Künstlervereinigung Marburg-Biedenkopf KüV in Zusammenarbeit mit der Hessischen Schraubenfabrik hsf statt.
Im Ambiente der Schraubenfabrik zeigen die Künstlerinnen und Künstler eine Auswahl ihrer Arbeiten der letzten Jahre. Außergewöhnlich und interessant ist das Ausstellen von Kunst in Werkshallen bei laufendem Betrieb. Dieses Konzept wurde erstmals erfolgreich im November 2014 praktiziert.

Der Clou, in diesem Jahr, ist die Versteigerung. Während der Finissage am 28.11. ab 17.00 Uhr versteigert als Auktionator der ehemalige Arbeitsgerichtsdirektor Hans-Gottlieb Rühle eine Auswahl der Arbeiten in seiner gewohnt charmanten, witzigen Art. Ein Experiment für Besucher und Künstler. Denn die Gebotspreise sind ab 10 bis 50€. Also, zum 1.zum 2.zum 3.!

Eine weitere Neuheit ist die Kindervernissage am 07.11.2015 ab 15.00Uhr für die Kinder der Mitarbeiter. Durch spielen und malen werden die Kinder in ihrer Kreativität gefördert und an die zeitgenössische Kunst herangeführt.

Vernissage: Freitag,den 06.11.2015 ab 18.00 Uhr

Kindervernissage: Samstag,den 07.11. ab 15.00 Uhr

Finissage mit Versteigerung: Samstag, den 28.11.2015 ab 17.00 Uhr

 

Veranstaltungen in der Vergangenheit


 




 




 

Aktuell




T h e I n n e r V i e w
D i e i n n e r e S i c h t
L o s g u a r d o
i n t e r i o r e


ist eine höchst beachtenswerte Ausstellung, die am 27. Januar 2013, dem 68. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz, in Bologna von 12 Künstlerinnen und Künstlern - drei Generationen zugehörend - aus Deutschland zusammengebracht, eröffnet und gezeigt wird.
Diese Ausstellung ist gewidmet der Erinnerung an das, was in Auschwitz geschah, diese unfaßbare Gewalt von Menschen gegen Menschen, Gewalt gegen ausgegrenzte, ausgelieferte, geschundene, zuletzt ermordete Menschen. Vor dieser Vernichtungstat, die mit der Organisationsgründlichkeit eines totalitären Staates und mit der erschütternden Präzision industrieller Abläufe durchgeführt wurde, versagt alles letztgültige Begreifenwollen und jeder Versuch der Beschreibung durch Sprache.
Künstlerisches Begreifen hat andere Möglichkeiten, das Unfaßbare zu berühren, weil es durch Symbole kommuniziert, weil es in inneren Räumen, Räumen des Ahnens und der Intuition, der Träume und Albträume stattfindet, weil es Mittel des Nach-Bildens und der Expression hat – weil es Aspekte einer inneren Sicht, die sehr wohl mit Gefühlen verbunden ist, „nach außen“ bringen kann, um diese Sicht in einen Dialog zu bringen, Resonanzen hervorzurufen, andere innere Sichtweisen zu ermutigen: Aspekte des Schauens und Fühlens auf das Unfaßbare, das da geschah, wirklich geschah.
Der Titel die innere Sicht ist mit großem Bedacht gewählt, signalisiert er doch die eigenen, persönlichen, subjektiven, authentischen Zugangsweisen, die wir brauchen, die diese Welt 68 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz braucht, um mit dem Verstehen weiterzukommen, über die gewohnten und bewährten Formen und Symboliken des Gedenkens hinaus hin zu einem selbstgefundenen Verstehen, als annäherndes Berühren des Unfaßbaren.
Auch die Wahl des Ortes, Bologna, ist von Bedeutung, da dies die Stadt und Region der "Partigiani" ist, der italienischen Widerstandsbewegung des tosco-emilianischen Apennins, welche wie kaum eine andere in Italien unter der brutalen Gewalt des Nazi Regimes und der deutschen Wehrmacht zu leiden hatte. In diese Stadt nun kommen Künstler und Künstlerinnen aus Deutschland mit ihren künstlerischen Gestaltungen zu Auschwitz, das als Leidenswirklichkeit zur Chiffre für all diese Gewalt des sog. „Dritten Reiches“ wurde. Ein mutiger Gang ist das, geboren aus der persönlichen Betroffenheit und aus der entschlossenen Einsicht, daß ein solcher Weg gut ist.

Und die Zeit ist reif für einen solchen Weg und eine solche Werkschau, aus zweierlei Gründen: Zum Einen ist gerade in den letzten Jahren viel geschehen an Aufbruch und Befreiung hin zu neuen, offeneren Formen der Erinnerung. Lange Zeit haben die Nachgeborenen, die Angehörigen der sog. „Kriegsenkel“- Generation, die Erinnerung ihrer Eltern (der „Kriegskinder“) mitgetragen, auch ihre Formen der Abwehr, Vermeidung und Verleugnung. Vieles davon wird jetzt deutlicher, direkter aufgearbeitet. 68 Jahre nach Kriegsende sind Schuld und Scham, Schmerz und Angst, sind die Erschütterungen der Seelen nicht mehr derart übermächtig, daß die Nachgeborenen weiterhin in der Gefangenschaft der Erfahrungen ihrer Eltern verbleiben müßten. Vieles kann jetzt klarer benannt werden an Schuld und Täterschaft, an Leid und Opferschaft (ohne, das ist deutlich zurückzuweisen, das eine mit dem anderen „aufzurechnen“).

Dadurch wird der Blick, die innere Sicht, frei für die Nachgeborenen auf das, was das Berührtwerden durch das Leid von Auschwitz und den Wahnsinn, der sich dort zeigte, in uns auslöst, auch - und das ist das Zweite, das zum Zeitpunkt, zum Kairos, dieser Ausstellung zu sagen ist - in Hinblick auf eine Gegenwart, die von einer anderen, verwandten aber nicht vergleichbaren Art von Wahnsinn, Gewalt und Friedlosigkeit durchzogen ist. Sich dem Meer von Leid der Shoah anzunähern, heißt, ein Geschehen des Wahnsinns und des abgründig Bösen (oft verborgen unter Biederkeit und Pflichtgemäßheit) zu gewahren. Daß immer noch Anhänger des Hitler-Faschismus in Deutschland ihr Unwesen treiben, gedeckt oder ignoriert vom Deutschen Verfassungsschutz, ist ein Teil des Wahnsinns unserer Gegenwart, dies aber wie ein anachronistisches Symptom für eine viel größere, umfassende Situation der globalisierten Gewalt und des Unfriedens. Ich scheue mich nicht, als Psychohistoriker in Hinblick auf das inzwischen weltumspannende System marktradikaler Ökonomie von einem Kriegszustand zu sprechen, dem täglich zig Tausende von Menschen ausgeliefert sind und zum Opfer fallen. Ebenso ist die Drohung eines weltweiten Krieges mit Massenvernichtungswaffen keinesfalls mit dem Ende des Kalten Krieges obsolet geworden.

Auch deshalb, weil die Gegenwart nur auf dem Grund der wahrgenommenen und erinnerten Vergangenheit zu verstehen und zu verantworten ist, darf der Strom des Gedenkens und der nachgehenden Zeugenschaft nicht abreißen. Daß jetzt der Weg frei ist für ein persönlicheres, vielleicht empathischeres Annähern an Auschwitz, ist eine bedeutsame Einsicht, die hier und heute zu dieser Ausstellung geführt hat.

Es sind, wie gesagt, Aspekte einer inneren Sicht, die hier zusammengetragen werden. Keiner und keine kann eine Ganzschau der Wirklichkeit erzeugen, aber einzelne, persönliche Sichtweisen können das Gemeinte berühren, das Unfaßbare. Ein gemeinsamer Weg wird beschritten, beweglicher als das Statuarische und Statische der gewohnten Erinnerungskultur (die als zuverlässiger Turnus offizieller Begängnisse ihr eigenes Recht hat). Auch alle Aspekte miteinander fokussieren nicht zu einer letztgültigen Gesamtschau – aber jeder Aspekt enthält wie das Bruchstück eines Hologramms die Spuren des Ganzen in sich. Es kann nicht um eine „objektive Feststellung“ zu Auschwitz gehen – aber um eine Verhältnissuche dazu, um eine Beziehungs(auf)nahme, und dies im Miteinander all derer, die sich nicht abwenden sondern zuwenden wollen, demgegenüber, was unfaßbar bleibt, aber vielleicht doch berührbar wird.

Jeder Aspekt der inneren Sicht ist ein solcher Akt der Zuwendung und des Berührens und darin des Sich-berühren-lassens, zunächst und vor allem vom Schicksal der Menschen, die der Gewalt von Auschwitz zum Opfer fielen. Akte der authentischen, liebevollen Empathie sind es, die zu den Werken dieser Ausstellung geführt haben. Wenn ich im folgenden versuche, diese Gestaltungen mit wenigen Sätzen zu würdigen, so geschieht dies eingedenk der Tatsache, daß auch meine Worte nur unvollkommene Annäherungen an meine subjektiven, fragmentarischen Wahrnehmungen sein können.

© Bernd Nielsen 2012